… hier ein paar Dinge zu zeigen, die ich so in letzter, doch sehr stiller Zeit gemacht habe, aber – und das musste jetzt natürlich kommen – es gibt nicht mehr so viel zu sehen, ich habe nämlich (fast) alles wieder aufgeribbelt.
Eine Arbeit von fast 10 Stunden – weg ist sie. “Sie” sollte nämlich eine schöne Mütze werden. Aber ich habe dafür einfach das falsche Garn genommen und so wurde aus dem federleichten hellblauen Mohairmützchen im Original ein weißer Topflappen mit violettem Rand in XXL. Das wollte ich meiner Tochter nicht zumuten, auch wenn sie tapfer mich zu überzeugen versuchte, dass sie sie trotzdem aufsetzen wolle. Nein, nein, das konnte ich wohl nicht zulassen. Ich habe kurz vorm Abketten alles wieder aufgeribbelt und fein säuberlich zu einem neuen Knäuel gewickelt. Ich war selbst überrascht, dass ich mich dazu so straight entschlossen habe. Es hat sogar Spaß gemacht. Und irgendwie war ich ganz schön erleichtert, dass ich das schreckliche Ding so nicht an meiner Tochter sehen musste. Das hätte mich nämlich über lange Zeit geärgert. Letzten Endes hat es mir eine Menge Energie gespart, mehr als die 10 Stunden Einsatz. Könnt ihr euch vorstellen, wieviel Energie so ein vermurkstes Teil abziehen kann?
Lange Zeit habe ich ganz anders gedacht – mir war meine Zeit so kostbar, dass ich nie etwas, was schon so weit fortgeschritten war, hätte kaputt machen können. Über den Ärger nachher und dass es mich auf Dauer immer ein bißchen mehr runterziehen würde, gegen das mißratene Werk anzugucken, habe ich nie nachgedacht. Ich habe es mir schön zu reden versucht und mir gedacht, ach, das fällt ja gar nicht auf. Falsch gedacht, es liegt in der Natur des Menschen, nach Fehlern und Makeln zu suchen. Es passiert immer wieder und sogar ohne, dass man bewußt darauf achtet. Ich selbst habe zwar öfter die rosarote Brille auf, als mir lieb sein sollte, aber trotzdem: wenn ich z.B. in einem schönen Gesicht einen Pickel sehe, muss ich draufstarren. Unweigerlich. Ich versuche zwar krampfhaft, mich davon abzulenken, aber mein Blick kehrt immer wieder zurück. Oder das Loch im Turnschuh der Mutter, die beim Elternabend drei Stühle weiter sitzt – es springt mir immer wieder ins Auge. Es ist nicht so, dass ich es jetzt schlimm finden oder die andere Person nicht schätzen würde, nur weil irgendeine klitzekleine Kleinigkeit bei ihr nicht stimmt wie z. B. die dunkle – entschuldigt – Unterhose unter ihrer hellen Hose, die die ganze Zeit durchscheint, aber mit Sicherheit hätte sich die andere Person mit dem kleinen Fehler gewünscht, dass mir oder den anderen auf dem Elternabend etwas anderes an ihr aufgefallen wäre als eben ihre Unterwäsche.
Meine Tochter sagte mir neulich auch, dass man das Loch in ihrem T-Shirt ja gar nicht bemerken würde – aber es stimmt nicht: ich, ihre sie liebende Mutter, die ihre Tochter nur mit dem typischen leicht verklärten Mutterblick ansehen kann, habe es sofort gesehen, als sie sich vor mich stellte.
Das sollte mir zu denken geben.
Und hat es auch. Effizienz ist mein neues Motto. Es bringt einfach nichts, an einem Schal weiterzustricken, nur weil er schon einen halben Meter lang ist, wenn ich mich bei jeder neuen Reihe darüber ärgere, dass er ziemlich am Anfang bei dem zweiten Musterwechsel plötzlich an beiden Seiten ein ganzes Stück schmaler ist als am Anfang und bei den nachfolgenden Mustern. Beim vierten Musterwechsel hatte ich dann sogar Maschen zugenommen, damit der Schal nicht nochmal so schmal würde wie am Anfang – aber es waren dann zu viele. Der Schal wurde sogar noch breiter als am Anfang. Ich muß zugeben – ich habe mich ein paar Tage mit dem Gedanken getragen, diese mißglückten Stücke einfach am Ende zu kaschieren, indem ich um den ganzen Schal zum Schluß noch ein Muschelmuster oder etwas anderes herumhäkele. Tja, wertvolle Zeit habe ich damit zugebracht, über ein passendes Muster nachzudenken oder ob ich lieber noch einen Rand anstricke oder die Maschen dauerhaft ausdehnen könnte oder… .
Das Ende vom Lied ist, dass ich wieder geribbelt habe, einen halben Meter Schal. Ich hätte mir eine Menge Arbeit erspart, wenn ich gleich zu Beginn die 20 cm, die zu schmal waren, aufgeribbelt hätte. Nun ja, aus Fehlern wird man (hoffentlich) klug. Auch ich. Oder wie ich einmal irgendwo las: Alle Menschen sind klug, die einen vorher, die anderen hinterher.
Ein bißchen was fertig bekommen habe ich aber doch noch. Meine Tochter hat nun eine andere Mütze, ein(e?) Slouchy Beanie und sie ist mashaALLAH richtig glücklich damit. AlhamduliLLAH. Und am Schal habe ich auch ein bißchen weitergestrickt, ganze vier Reihen! Mal schauen, wie sich das Muster ausmacht nach ein paar weiteren Zentimetern.
Und wenn ich irgendwann einmal wieder Lust habe, mit meinem Fotoapparat ohne Display und Sucher blind Fotos zu schießen, dann zeige ich euch inshaALLAH die hippe Mütze. Vielleicht ist der Schal bis dahin fertig.
Ich bin so verliebt in Strick. Nur leider noch immer Anfänger und deswegen gaaaanz langsam. Aber Lust habe ich drauf und das hilft viel, behaupte ich zumindest jetzt noch ganz enthusiastisch.
Vielleicht ist besser, jemand erinnert mich in einigen Wochen an diesen Satz.