In meinem Mikrokosmos ist alles in Ordnung.
Schon praktisch, ich muss nur so weit sehen, wie ich will. Wenn es zu weit geht und ich seh etwas, was mir nicht gefällt, kann ich einfach meine Schotten dicht machen. Schon ist wieder alles im Lot.
Das Problem ist nur, dass ständig neue Geschichten vor meinem Auge auftauchen und je mehr ich zu verdrängen versuche, desto hartnäckiger sind die Bilder.
Ich fühle mich so zwiegespalten. Schuldig. Hilflos.
Leben ist manchmal ganz schön schwer. Überall Leiden, Trauer, Krieg und Tod. Verzweifelte Menschen und mir geht es gut. Dem Einzigen Gott sei Dank. Ich muss etwas abgeben und weiß nicht wie und wo. Habe ich meine Chance und wenn sie kommt, werde ich sie ergreifen?
Auch wenn es überall brennt, das Leben geht weiter und ich bin hier und muss tun, was ich tun muss.
Und ich darf mich an manchen Dingen freuen. So wie es Menschen überall tun. Sogar im größten Elend lässt sich das Lächeln eines Kindes entdecken. Das ist unglaublich, unvorstellbar. Aber wirklich.
In meiner Religion heißt es, dass, wenn der Jüngste Tag kommt und eine Person gerade eine Blume pflanzt, dann soll sie diese Aufgabe beenden. Obwohl sich gleich die ganze Erde dreht und alles vorüber sein wird. Und das lässt mich mich wieder an die Freude erinnern. Und ein bißchen genießen. Wie die schöne Blume am Tag der Auferstehung.
Ich mach weiter, jeden Tag ein Stück und versuche, mein Herz nicht an unwichtige Dinge zu hängen. Ich versuche, dankbar zu sein und mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und ich hoffe, meine Chancen zu erkennen und zu nutzen.
Ich bin auf dem Weg und ich erfreue mich an der Schönheit der Schöpfung.
So war ich diese Tage auf der Suche nach einem Motiv für den 12tel Blick, den Tabea Heinicker initiiert hat. Meinem ganz besonderem Fleckchen Erde, in der ich nicht die Enge der Stadt, sondern Licht, Luft und Weite spüre. Ein Platz zum Durchatmen und Kräfte sammeln. Ich bin gespannt, wie er sich verändern wird im Laufe des Jahres, obwohl ich das schon ein bißchen weiß von meinen Radtouren aus dem letzten Jahr. Aber diese monatlichen intensiveren Besuche werden meinen Blick schärfen und mich noch Neues entdecken lassen. Ich freue mich auf diese kleine Reise.










