Lernen ist Leben.
Auch wenn ich mir manchmal wünsche, wieder zur Uni zu gehen und etwas “Intellektuelles” zu lernen, so macht es mich doch außerordentlich zufrieden, einfach neue Dinge zu entdecken und sie mit den Händen zu tun.

Vor einigen Wochen entdeckte ich bei Suschna die Stoffmanipulationen und ward gleich angesteckt. Genau das ist doch echtes Handwerk: aus etwas Einfachem, das schon da ist, etwas Einzigartiges und ja sogar Künstlerisches zu schaffen.
Was braucht es da noch eine wunderbare, erstaunliche Stickmaschine, wenn man sein eigenes Design doch ganz leicht dadurch entstehen lassen kann, dass man sich einfach ausprobiert und die Dinge dabei sich selbst entwickeln lässt?

Zuerst war mir gar nicht so recht klar, was alles zu den Manipulationen gehört, aber zusammengefasst würde ich sagen, dass das einfach all das ist, was aus einem einfachen Stück Stoff etwas ganz Besonderes macht, indem man es z.B. rafft, schnürt, näht, färbt, zerschneidet und letztendlich in eine andere Dimension erhebt.
Es muss gar nicht etwas völlig Extravagantes und Großes entstehen, ein paar Nähte und Faltungen und ein Eimer Farbe tun es genauso. In dieser Shibori-Technik entstand auch der Tellerrock meiner Tochter.
Bei meiner weiteren Suche – vieles habe ich hier gepinnt – stieß ich auch auf eine alte Technik, die im deutschsprachigen Raum kaum verbreitet ist: das Smoken (engl. Smocking). Ein sehr altes Handwerk, das ein Stück Stoff in Form bringt, es irgendwie elastisch macht und zudem mit einem hübschen Muster verziert.

Bei Marie Grace und ihren wunderbaren Smok-Werken blieb ich länger hängen. Besonders ihr Tutorial, in dem sie erklärte, wie man von Hand ein Stück Stoff in sehr gleichmäßige Fältchen legt, war eine Motivation, es gleich selbst zu versuchen. Marie Grace´ Oliver & S Icecream Dress stand Modell für meinen ersten Versuch. In der aktuellen Ottobre fand ich nämlich einen sehr ähnlichen Schnitt, der meinem Töchterchen inshaALLAH wunderbar stehen würde.

Wenn ich bei ihr ein bißchen weiter gelesen hätte, hätte ich vorher gewußt, dass ich noch mehr Weite hätte zugeben müssen, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen wie Marie Grace. Letzten Endes aber bin ich mashaALLAH mit dem Ergebnis sehr zufrieden, das Kleidchen sitzt sehr schön auf Taille und die Fältchen vom Smoken werden leicht gedehnt, was sie noch ein wenig mehr hervorhebt.

Das Smoken an sich war sehr zeitraubend, weil ich es nicht hinbekommen habe, ordentlich gerade Linien zu ziehen. So ein Bügelmuster wäre mir sehr entgegen gekommen, aber es ging auch so. Ca. hunderttausend Linien und viele schwarze Finger später (ich musste superdicke Pfeile auf die richtigen Linien machen, damit ich sie wiederfinde zwischen all den falschen) habe ich ein halbwegs akzeptables Raster hinbekommen. Als das erstmals gefältelt war, hat das Sticken darauf richtig Spaß gemacht. Gestickt habe ich einfach verschiedene Muster, die ich in einem Stickbuch und im Netz gefunden hatte (engl.: smocking plate).


Der Schnitt (Nr. 13) aus der ottobre ist ein wahrer Schatz, einfach, bequem, ausbaufähig und vielseitig. Ich bin ganz entzückt. Die Anleitung ist sehr verständlich, ich hatte viel weniger Gehirnknoten als bei der Weste. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur dazugelernt. :)

Mich kribbelt es in den Fingern, noch mehr solcher spieltauglichen Kleidchen zu nähen. Vielleicht erbarmt sich ja auch eine meiner größeren Töchter, mal ein Kleid zu tragen?


Mein Mädchen hat sich den Blümchenstoff selbst bei stoffe mahler ausgesucht und sich so darauf gefreut, dass endlich ihr Kleid fertig würde. Nachdem sie es anprobiert hatte, wollte ich es gleich wieder weghängen und bat sie, es auszuziehen. Sie sagte: “Oh nein, bitte nicht!” Also ließ ich sie und gleich darauf war sie eingeschlafen (deswegen die Fotos vom schlafenden Kind). Ich bin mir sicher, sie ist einfach nur vor lauter Freude eingeschlafen. Oder Erleichterung.
Die anderen beiden Stoffe (Vichy-Baumwolle und pinkes leichtes Leinen) sind aus meinem Stoffberg und sogar die beziehbaren Knöpfe waren aus dem Vorrat. Das Stickgarn (Madeira) lag auch schon seit ein paar Jahren in einer meiner Boxen und fand nun endlich seine Bestimmung. Die Schnur für die Paspel habe ich aus Häkelgarn selbst gedreht, nicht gerade ideal, weil ich das mit dem Kordel drehen noch nicht so ganz raus hab und sie sich immer wieder flach legte. Ich denke, das üb´ ich nochmal oder ich besorge mir gleich fertige Paspelschnur (wo?).
Das fast Wichtigeste für meine Tochter aber waren wohl die Taschen, die ich leicht abgerundet habe und oben ein Stück Gummiband eingefädelt, damit es etwas bauschig wird. Dort hinein kommen nämlich all die Schätze, die man als entdeckungslustiges Kind an wirklich JEDEM Ort findet… .

مشاالله, تبارك الله